Botrytis

Botrytis cinerea, häufig als „Edelfäule“ bekannt, ist ein Pilz, der in der Weinproduktion eine zweischneidige Rolle spielt. Er ist besonders bedeutend bei der Herstellung von Süßweinen wie Sauternes und Tokaji, kann jedoch auch in der Champagnerproduktion eine Rolle spielen, obwohl seine Auswirkungen dort weniger prominent sind.

Botrytis cinerea und seine Rolle in der Weinproduktion

Botrytis cinerea ist ein parasitärer Pilz, der Weintrauben infizieren kann. Seine Auswirkungen auf die Trauben hängen stark von den Umweltbedingungen ab. Bei günstigen Bedingungen, wie feuchtem Wetter und warmen Temperaturen, kann der Pilz die Trauben befallen und zu einer sogenannten „Edelfäule“ führen. Während dieser Prozess die Trauben teilweise zerstört, führt er auch zu einer Konzentration der Zucker und Aromastoffe in den verbleibenden Trauben, was zu sehr intensiven und komplexen Weinen führt.

Edelfäule in Süßweinen

In der Herstellung von Süßweinen ist Botrytis cinerea von großer Bedeutung. Die Trauben, die unter dem Einfluss dieses Pilzes stehen, trocknen aus und konzentrieren ihre Zucker- und Säuregehalte. Diese konzentrierten Trauben werden dann gepresst, um sehr süße Weine zu erzeugen, die oft ein reichhaltiges Aromaprofil aufweisen, das von Honig und getrockneten Früchten bis hin zu Gewürzen und floralen Noten reicht. Weine wie Sauternes aus Bordeaux oder Tokaji aus Ungarn sind berühmte Beispiele für die Verwendung von Botrytis-verseuchten Trauben.

Botrytis cinerea in der Champagnerproduktion

In der Champagnerproduktion, die vor allem auf den Einsatz von Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay Trauben setzt, ist Botrytis cinerea weniger erwünscht. Die Qualität der Trauben ist hier von entscheidender Bedeutung, und ein Befall mit Edelfäule kann die Frische und Reinheit des Champagners beeinträchtigen.

Jedoch können sich einige Produzenten in Jahren mit besonders feuchtem und warmem Wetter entscheiden, auf Trauben mit Botrytis zu setzen, wenn sie diese gezielt für bestimmte Stile von Champagner oder für den Ausbau in speziellen Cuvées verwenden möchten. Solche Trauben können subtile, komplexe Aromen beisteuern, die in einem sorgfältig ausgewählten Produktionsprozess ausgeglichen werden.

Bekämpfung von Botrytis cinerea

Die Bekämpfung von Botrytis cinerea in der Weinproduktion erfordert ein präzises Management der Weinberge. Eine gute Belüftung und die Vermeidung von zu viel Feuchtigkeit sind entscheidend, um den Pilz in Schach zu halten. In Jahren mit hoher Feuchtigkeit kann der Einsatz von Fungiziden notwendig sein, um die Trauben vor dem Befall zu schützen.

Zusammenfassung

Botrytis cinerea ist ein Pilz, der in der Weinproduktion sowohl positive als auch negative Effekte haben kann. Während er für die Herstellung von edelsüßen Weinen unverzichtbar ist, ist er in der Champagnerproduktion weniger erwünscht, da seine Präsenz die Frische und Reinheit des Endprodukts beeinträchtigen könnte. Das Management der Weinberge und die Wetterbedingungen spielen eine entscheidende Rolle in der Kontrolle dieses Pilzes und beeinflussen letztlich die Qualität der Trauben und der daraus hergestellten Weine und Champagner.

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